Die Fachabteilung Kies und Sand vertritt die Interessen der sand- und kiesproduzierenden Industrie in Hessen und Rheinland-Pfalz. Unsere Mitgliedsunternehmen sichern die lokale Versorgung ihrer Gemeinden mit dem wichtigsten heimischen Rohstoff Deutschlands: Sand und Kies.

Produktion, Verwendung

Der Einsatz von Sand und Kies und seine unterschiedlichsten Einsatzmöglichkeiten sind für die meisten Leute so selbstverständlich, dass die Bedeutung von Sand und Kies kaum bewusst wahrgenommen wird.

Sand und Kies begegnen uns jedoch nicht nur als Ausgangsstoff in Produkten die unmittelbar oder mittelbar für den Bau benötigt werden. Sand und Kies wird von vielen Menschen in unterschiedlichsten Lebenslagen verwendet. Neben dem Bau von Gebäuden auch beim Straßen- und Tunnelbau, beim Bau von Eisenbahninfrastruktur und beim Gewässerbau. Aber auch als Material für den Garten- und Landschaftsbau findet Sand und Kies Anwendungsmöglichkeiten. Sogar auf einem Fussballfeld benötigt der Rasen Sand. Sand ist zudem die Grundlage für die Glasherstellung, die Produktion von Reinigungsmitteln und Spachtelmassen, er wird benötigt als Bremssand bei Schienenfahrzeugen. Eine Liste mit unterschiedlichsten Einsatzmöglichkeiten findest du hier:

Über Sand und Kies

Unsere regionalen Sand- und Kiesvorkommen sind in der jüngsten geologischen Vergangenheit entstanden. Über die Flüsse gelangten Gesteinsabtragungen auf natürlichem Wege aus den Bergen in unsere Region. Auf ihrem Weg unterlagen diese unterschiedlichsten äußeren Einflüssen wie Frost, Hitze, Eis, Wind und natürlich dem Transport durch das Wasser. Aus dem ursprünglich festem Fels entstand so im Laufe der geologischen Zeiträume geologisches Lockergestein, das hohen mechanischen physikalischen und chemischen Beanspruchungen standgehalten hat. Es sind gerade diese Eigenschaften die Sand und Kies als vielfältigen Bau- und Zusatzstoff unersetzlich machen.

Die Eigenschaften des Materials werden in den Prüflabors unser Mitgliedsunternehmen ständig überprüft. Sand und Kies und deren qualitätsgerechte Herstellung unterliegen strengen Kontrollen durch unabhängige Zertifizierungsstellen, den Baustoffüberwachungsvereinen. Diese sorgen dafür, dass in ganz Deutschland die geforderten Kies- und Sandqualitäten, die zum Beispiel in Normen und Richtlinien für den Straßen und Betonbau festgelegt sind, einheitlich eingehalten werden. In Hessen und Rheinland-Pfalz ist dies der Baustoffüberwachungsverein Hessen – Rheinland-Pfalz e. V. (BÜV HR).

Ressourceneffizienz, Nachhaltigkeit

Für die Kies- und Sandindustrie ist die ständige Verbesserung im Sinne einer möglichst effizienten Nutzung vorhandener Ressourcen selbstverständlich. Nicht auf Kosten der Natur, sondern mit der Natur sollen marktgerechte Sand- und Kiesprodukte hergestellt werden. Eine möglichst geringe Inanspruchnahme der natürlichen Lebensgrundlagen Boden, Wasser und Naturraum während des Rohstoffabbaus und eine möglichst energie- und emissionsarme und nahezu abfallfreie Produktion sowie die naturverträgliche Folgenutzung nach dem Abbau stehen im Vordergrund. Bereits während des Abbaus werden häufig naturschutzfachlich höherwertigere Flächen geschaffen als vor dem Abbau.

Durch den Einsatz und die ständige Verbesserung modernster Techniken wird Energie eingespart. Mit moderer Materialaufbereitung die Ressourceneffizienz verbessert.

Produziert wird lediglich die Menge, die auch tatsächlich benötigt wird. Die Produktion orientiert sich ausschließlich am tatsächlichen Bedarf.

Ökologische Verantwortung

Arbeiten in der Natur heisst für unsere Mitglied-Unternehmen auch Arbeiten mit der Natur. Die biologische Vielfalt in und um Kiesgruben und Baggerseen hat für Unternehmer und Mitarbeiter der Steine-Erden-Industrie im Vergleich zu anderen Branchen eine deutlich höhere Bedeutung. Dieser Bedeutung ist sich die Steine-Erden-Industrie bewusst.

Häufig ist schon während des laufenden Abbaubetriebs zu beobachten, dass sich in Kiesgruben
neue Tier- und Pflanzenarten ansiedeln. Es entsteht eine beeindruckende Vielfalt an Tieren und Pflanzen, denen die veränderten Lebensbedingungen neue Lebensräume bieten, um sich überhaupt entwickeln zu können. So ist beispielsweise die Uferschwalbe, deren natürlicher Lebensraum in den Abbruchkanten von Flussufern zu finden ist, auf den Kiesabbau angewiesen, da nur so „künstlich“ neuer Lebensraum geschaffen wird.


Kiesgruben und Baggerseen tragen erheblich zur Artenentwicklung bei, weil sie mit ihren spezifischen Umweltbedingungen wertvolle Rückzugsgebiete und Sekundärbiotope durch seltene oder gefährdete Arten bieten. Die Abbaustätten unserer Mitgliedsunternehmen sind ein Beweis dafür, dass die Biodiversität in Abbaustätten häufig größer als vor der Rohstoffgewinnung ist.

Kooperationsprojekt Abbaubetrieb und Amphibienschutz

Kreuzkröte
(Bufo calamita, FFH Anhang IV.)
Wechselkröte
(Bufo viridis, FFH Anhang IV.)
Geburtshelferkröte
(Alytes obstetricans, FFH Anhang IV.)
Gelbbauchunke
(Bombina variegata, FFH Anhänge II und IV)


Rheinland-Pfalz:

Der Industrieverband Steine und Erden e.V. Neustadt/Weinstraße (VSE) und die Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz e.V. (GNOR) haben im Frühjahr 2009 das Kooperationsprojekt „Abbaubetrieb und Amphibienschutz“ gestartet. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz.

Flyer „Kies und Sand – Renaturierung“
Flyer „Kies und Sand – Im Einklang mit der Natur“
Flyer „Heimische Rohstoffindustrie schützt gefährdete Tiere und Pflanzen

Ziel des gemeinsamen Projektes ist es, durch konsequente Entwicklungsmaßnahmen den Erhaltungszustand insbesondere bei den Pionier-Amphibienarten zu verbessern. Dadurch, dass natürlichen Lebensräume dieser Pionier-Amphibienart – die Überflutung der Fluss und Bachauen – natürlicherweise so gut wie nicht mehr vorhanden sind, sind diese Arten in unserer heutigen Kulturlandschaft massiv gefährdet. Hier bieten die Abbautätigkeiten der Kies und Sandindustrie fantastische Möglichkeiten, indem sie die verloren gegangene natürlichen Dynamik zurückbringen. Die hier entstehenden flachen Kleingewässer und Vegetationsflächen werden gerne von den Tieren als Sekundärhabitat besiedelt.


Grundlage für das Kooperationsprojekt ist im Sommer 2008 abgeschlossene Vereinbarung zwischen dem Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz (MUFV) und dem VSE, die den zugehörigen Betrieben die Rechtssicherheit bietet, notwendige Dynamik in den Abbaubetrieben zu ermöglichen. Hierunter fällt auch die Möglichkeit, die entstandenen Biotope im Rahmen der Abbautätigkeiten wieder zu ändern und dafür an anderer Stelle neu zu gestalten. Die am Projekt teilnehmenden Firmen haben sich verpflichtet, diese Amphibienbiotope auf Zeit auf eigene Kosten anzulegen und so einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung unserer heimischen Artenvielfalt zu leisten.




Hessen:

Der Industrieverband Steine und Erden e.V. in Neustadt hat zusammen mit dem Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz eine Rahmenvereinbarung zur Erhaltung und Förderung der biologischen Vielfalt in Abbaustätten erarbeitet.

Das Ministerium gewinnt so einen starken Partner, der sich mit seinen vielen unterschiedlichen Betrieben dem Naturschutzgedanken verschrieben hat.

Miteinander kommt man so den Zielen eines angewandten Naturschutzes, den die Betriebe der Rohstoffindustrie nicht nur unterstützen, sondern auch leben, ein großes Stück näher. Die Betriebe können jetzt kleinere und größere Maßnahmen umsetzen, die sowohl der natürlichen Vielfalt als auch den Unternehmen selbst dienen.

Im Rahmen dieser Rekultivierungs- und Renaturierungsmaßnahmen können die Unternehmen für nachhaltige biologische Vielfalt sorgen. Es ist zu hoffen, dass die Rohstoffindustrie in Zukunft mehr wahrgenommen und unterstützt wird, wenn es um neue Abbaugebiete geht.