Fachabteilung Kies und Sand
Hessen-Rheinland-Pfalz
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Industrieverband Steine und Erden e. V.

Rekultivierung und Renaturierung

Die Kies-Seen bei Gimbsheim

Dokumente der Naturbegeisterung eines Unternehmers

In der Nähe von Gimbsheim finden wir entlang eines Altarms des Rheins (heute Naturschutzgebiet) drei Kiesgruben von zusammen etwa 70 ha Größe. Was die Gruben eint, ist die immer schon ganz frühzeitig begonnene Rekultivierung. Insofern spiegeln die etwa 30-jahrigen Pflanzungen am Werk 1 und die erst in den 90er Jahren vorgenommenen Aufforstungen im Werk 3 auch jeweils die Zeitmeinung zu Rekultivierungen wider. Viele Pappeln und Weiden am Wasser, Laubhölzer auf den trockenen hohen Ufern zeigen die Auffassung von 1965/1975, wohingegen ausgedehnte Flachwasserbereiche mit Pflanzungen für Schilfgürtel und daran anschließend Gebüsche auf dem hohen Ufer typisch für heute sind.

Dabei ist die Herstellung der Flachwasserzonen auch in technischer Hinsicht interessant. Sie werden mit einer Kaelble Moorraupe bis 30 m in den See hinein angelegt. Ein Verfahren, das sich sehr bewährt hat. Danach werden dann sofort Startpflanzungen mit Rohrkolben oder Schilf angelegt. Teilweise zieht die Firma ihr Pflanzenmaterial selbst, indem sie einzelne Pflanzen aus dem Altrhein holt und dann selbst weiter vermehrt. So bleibt in den Rekultivierungen auch stets das örtlich vorhandene genetische Potential erhalten.

Dies ist aber bei den umfangreichen Aufforstungen nicht mehr möglich. Hier muss auf käufliches Pflanzgut zurückgegriffen werden. Die kilometerlangen Hecken und Forstpflanzungen sind ungewöhnlich artenreich. Wir finden an Bäumen u.a. Bergahorn, Hängebirke, Buche, Erle, Esche, Feldahorn, Hainbuche, Hybridpappeln, Kirschpflaume, Silberweide, Stieleiche, daneben an Sträuchern Geißblatt, Hartriegel, Liguster, Pfaffenhütchen, Weißdorn und Wildrosen. Die Pflege der Pflanzungen verlangt nach einer Fachkraft, die Firma beschäftigt deshalb einen Landschaftsgärtner. Der hat auch dafür zu sorgen, dass die 25 bis 30 % Ausfälle bei den Aufforstungen wieder nachgepflanzt werden.

Doch auch kuriose Dinge geschehen dort. So verlangte die eine Gemeinde, dass auf ihrem Gebiet ein Rodelberg angelegt würde. In der Oberrheinebene wirklich etwas landschaftsfremd. Seine Anlage und Gestaltung führte prompt zu Streitereien zwischen den verschiedensten Interessengruppen. Inzwischen steht er da, zum Rodeln fehlt ihm nur der Schnee.

Aber die Lage in einem alten Rheinarm führt auch zu kulturhistorisch wichtigen Funden. So kam beim Kiesabbau eine Schiffsmühle (eine im Wasser schwimmende Mühle) aus dem 8. Jahrhundert zum Vorschein. Der Fund in Gimbsheim gestattete den Archäologen die Rekonstruktion der Mühle.

Noch etwas anderes muss hier erwähnt werden, obwohl es bei fast allen anderen Betrieben am Oberrhein gesagt werden könnte. Es ist der, selbstverständlich verbotene, aber dennoch nicht unterbindbare Badebetrieb in den in Betrieb befindlichen und auch in den schon rekultivierten Kiesgruben. Selbst in der Woche finden sich nicht Einzelne, nein eher nach Hunderten zählende, nicht zahlende Badegäste in den Gruben ein. Sie behindern den Betrieb, gefährden sich selbst, sind aber wohl ein nicht ausrottbares Übel.

An Vögeln wurden bei einem Kurzbesuch gesehen: Flussuferläufer, Graugänse, Graureiher, Haubentaucher und Kanadagänse.

Hier sind durch Rekultivierung drei Gebiete geschaffen worden, die sich im Laufe der Jahre mit dem benachbarten Naturschutzgebiet zu einer Einheit entwickeln werden. Und dies nur, weil der Eigentümer der Kiesgruben schon sehr frühzeitig meinte, man könne eine ausgekieste Fläche nicht einfach sich selbst überlassen, sondern müsse ihr Hilfestellung bei der Wiedereingliederung geben.

 

Die Grube im Altrhein bei Germersheim

- der Auwald des Oberrheins ersteht wieder

Auf Wunsch des Eigentümers, der Staatlichen Forstverwaltung, hat man hier ein interessantes Rekultivierungskonzept umgesetzt. Die Abbaufirma hat allen Abraum an der Ostseite der ehemaligen Kiesgrube konzentriert angeschüttet und so wieder eine sehr große Landfläche geschaffen. Das gesamte Gebiet liegt Außendeichs, wird also bei jedem Hochwasser überflutet. Was lag hier näher, als zu versuchen, den Auwald wieder zu begründen. Alle natürlichen Voraussetzungen dafür lagen vor. Also startete man vor rund zwanzig Jahren den Versuch, und man kann sagen: Es hat sich gelohnt.

Begünstigt wurde die Entwicklung durch eine technische Besonderheit der Abbaufirma. Sie hatte kein Kieswerk an Land, denn sowohl Abbau- wie Aufbereitungsgeräte waren schwimmend, und verladen wurde direkt in Rheinschiffe. Deshalb brauchte man auf keinen Betriebsstandort an Land und auf keine Zufahrtsstraße Rücksicht zu nehmen. Man konnte also gleich mit der endgültigen Aufforstung beginnen. Und Beispiele dafür gab und gibt es in unmittelbarer Nähe im alten Rheinarm.

Auf der schmalen Landzunge zwischen Rhein und Kiesgrube sind Pappeln und Silberweiden, untermischt mit Eschen, Hainbuchen und Linden, gepflanzt worden. Die Silberweiden bilden mit ihren Wurzeln eine ganz vorzügliche Uferbefestigung. Auf dem großen Bereich östlich der Kiesgrube, auf angeschüttetem Abraum, sind neben Pappeln und Weiden vor allem Bergahorn, Eschen, Linden, Stieleiche und Ulmen in der Aufforstung enthalten. Die Strauchschicht bilden u.a. Hartriegel, Himbeere, Schneeball und Weißdorn.

An den Aufforstungen merkt man die Eigentumsgrenzen doch recht deutlich und dass jeweils unterschiedliche Berater bei den Arbeiten mitgewirkt haben. Am besten schneiden dabei meines Erachtens die Staatsforste ab, denn deren Waldbestände sind deutlich am artenreichsten, vor allem haben sie eine gut entwickelte Strauchschicht.

Auf Wunsch der Naturschutzbehörden wurde der Aufbereitungsschlamm nicht mehr in der Mitte des Kiesteiches, sondern entlang der Ufer verklappt, um Süßwassermuscheln Lebensraum zu bieten, was nach der großen Zahl toter Muschelschalen zu urteilen gut gelungen ist.

Das Gebiet ist abgelegen, richtig gut geeignet, um es durch einen langen Spaziergang zu erkunden und die Unterschiede in sich aufzunehmen. Es ist ein sehr gutes Beispiel für unterschiedliche Aufforstungskonzepte und für eine gute Annäherung an naturnahe Waldbestände der Umgebung.

 

Die Mechtersheimer Tongruben

...ein Kiesabbaugebiet verbleibt dem Purpurreiher

In unmittelbarer Nähe des Kernkraftwerkes Philippsburg, wenige Kilometer südlich Speyer, liegt eine der interessantesten Gruben, die es zu besuchen gibt. Sie hat eine gewissermaßen doppelte Entstehung, denn zunächst wurde in einem größeren Teil des Gebietes Auelehm (daher der Name!) zum Verziegeln abgebaut. Diese Grubenteile sind durch lange Dämme gekennzeichnet, auf denen früher die Gleise der Feldbahn verliefen. Zur Zeit des Tonabbaus dachte noch niemand an Rekultivierung, das Gebiet begrünte sich von selbst: Es bildeten sich sehr große Rieddickichte. Dies war der Zustand Ende der 50er Jahre.

1970 wurde für das Gebiet der Kiesabbau genehmigt. Drei Monate später wurde der erste Antrag auf Naturschutz gestellt, denn inzwischen wusste man, dass dort wohl der einzige deutsche Brutplatz des Purpurreihers, eines typisch südeuropäischen Vogels, lag. Von dem behördlichen Hin und Her will ich nicht berichten. Es endete damit, dass 10 ha Tonabbaugebiet mit Bundesmitteln angekauft wurden und dass die Firma dafür eine angrenzende Fläche zum Abbau erhielt.

Die Kiesgrube von ca. 37 ha Größe im angrenzenden Gebiet wurde in das Schutzkonzept mit einbezogen. Dafür waren umfangreichste Abraum-Umlagerungen erforderlich, vorwiegend aus dem Süd- in den Nordwestteil.

Dort wurden zahlreiche kleine, flache Tümpel geschaffen. In den Randbereichen pflanzte man Bäume und Büsche, u.a. etwa 200 Weinreben, die aus den letzten wilden Reben der Oberrhein-Ebene geklont worden waren.

Welche Bedeutung die Erdarbeiten für die Gestaltung des Gebietes hatten, geht daraus hervor, dass etwa 80 Prozent der Gesamtkosten darauf entfielen. Betrachtet man das Gebiet allerdings etwa 15 Jahre später, so stellt man fest, dass die Experten seinerzeit hinsichtlich Form und Gestalt der Halbinseln und Inseln wohl manchmal deutlich über das Ziel hinausschossen. Die Natur hat viele der mit großem Aufwand angelegten Klein- und Kleinststrukturen einfach überwuchert. Es ist ganz deutlich erkennbar, dass Strukturen bei deutlichen Erhebungen mindestens 10 m breit, bei Vertiefungen (Flachwasser) mindestens 30 bis 50 m breit sein müssen, wenn sie auf Dauer Bestand haben sollen. Wenige, aber größere Strukturelemente sind bei der Gestaltung besser als viele kleine, die dann in der stürmischen Vegetationsentwicklung in Feuchtgebieten untergehen.

Der Erfolg der Rekultivierungs-/ Renaturierungsmaßnahmen auf insgesamt knapp 50 ha ist beachtlich. Nicht nur konnte der Brutbestand des Purpurreihers gehalten werden, es wurden auch zahlreiche, in den Roten Listen als gefährdet eingestufte Vögel dort nachgewiesen.

Dazu hat mit Sicherheit auch beigetragen, dass man das Gebiet über einen bestehenden Graben gut isolierte, nur im Süden gestattete man an wenigen Stellen einen begrenzten Einblick.

So fand man dort bereits frühzeitig neben dem Purpurreiher als Brutvögel Beutelmeise, Drosselrohrsänger, Eisvogel, Mittelspecht, Rohrweihe, Schilfrohrsänger, Sperber und Zwergdommel. Das Gebiet hat ganz große Bedeutung als Rast und Überwinterungsbiotop. Ganz erstaunlich war auch ein genauer Blick in die Kleinstlebewelt, so konnten 1986 bereits 98 Spinnenarten, 79 Arten von Laufkäfern und 27 Libellenarten nachgewiesen werden. Besonders bemerkenswert ist das Vorkommen der kleinen Königslibelle, für die in den Mechtersheimer Tongruben 1986 erstmals Nachwuchs in Rheinland-Pfalz festgestellt wurde.

In dem Gebiet entstand nach zähen Verhandlungen und umfangreichen Erdarbeiten ein höchst beachtliches Schutzgebiet von nationaler Bedeutung.

 

Die Erlache, ein Kies-See bei Bensheim

- eine neue Heimstatt für Pflanzen und Tiere

An dieser Stelle wird seit mehr als 20 Jahren Kies abgebaut. Die Firma ging, teilweise angeregt durch Naturschutzverbände, bei der Rekultivierung völlig neue Wege.

Sie schüttete den Abraum nicht gleichmäßig von allen Seiten in den Kies-See, sondern konzentrierte die Schüttungen an wenigen Stellen und gelangte so zu sehr unterschiedlichen Lebensräumen: Von Trockengebieten am äußersten Rand, über ausgedehnte Sumpfgebiete bis hin zu Flachwasserzonen. In den Sumpfgebieten wurden umfangreiche Seggenbestände durch Ausbringen von Samen (mit Schleudermaschinen!) begründet. Ansonsten finden wir umfangreiche Schilfgürtel, die neben Schilf aber auch Rohrkolben und Sumpf-Schwertlilie enthalten.

Um das gesamte Gelände von der Umgebung etwas abzuschirmen, wurde es mit einem etwa 3 m tiefen Ringgraben umgeben, in dem sich u.a. Schwanenblume und lgelkolben finden. Weiterhin wurden alle in das rekultivierte Gebiet führenden Wege durch kleine Erdwälle unterbrochen, so dass kein Fahrzeug dort hineingelangen kann.

In der Randbepflanzung rund um den Kies-See ist auffallenderweise häufig Wildobst (Apfel, Kirsche) enthalten; Bäume, die in der freien Natur recht selten sind. Ob die Seerosen auf dem See angesiedelt wurden oder sich von selbst einfanden, bleibt unklar.

Dieser reiche Wechsel in der Biotopstruktur hat das Vogelleben sehr begünstigt. An einem ganz normalen Tag kann man allerdings nichts Besonderes sehen: Blesshühner, Fischreiher, Rohrsänger und Stockenten. Will man den ganzen Vogelreichtum erleben, dann braucht man Zeit.

Etwas anderes ist es, wenn Biologiestudenten der nahen TH Darmstadt im Sommer anrücken und an der Erlache ihr limnologisches Praktikum machen. Dabei ist festzustellen, dass der See im Sommer eine deutliche Schichtung aufweist. Bis etwa 4 m ist das Wasser sehr warm (ca. 25 Grad C), dann sinkt die Temperatur ab, um ab etwa 10 m bis zum Seegrund nur noch 7 Grad C zu betragen. Der Nährstoffgehalt im See war immer gering. Der Sauerstoffgehalt auch in 25 m Tiefe ist immer noch relativ hoch. Der größte Teil der Mikroorganismen hielt sich in etwa 5 m Tiefe auf.

Etwas Interessantes lässt sich an der Erlache beobachten: Bei der Rekultivierung wurde von einem Naturschutzverein eine sogenannte Uferschwalben-Wand angelegt. Sie blieb bisher unbewohnt. Anders ist es mit der Halde schwer verkäuflicher Feinsande, die die Firma zwischen dem Kieswerk und dem rekultivierten See liegen hat. Wenn man dort jedes Jahr im Frühjahr mit dem Radlader hinfährt und die Wand durch Nachbrechen wieder senkrecht stellt, dann braucht man sich um die Uferschwalben keine Sorgen zu machen, denn sie ergreifen die ihnen gebotene Nistmöglichkeit sofort.

Dieses Beispiel zeigt, wie durch Denken des Unternehmers mit der Natur aus einem Kies-See für Flora und Fauna durchaus viel Positives erwachsen kann.

 

Das Projekt "Halbmond"

- Ein Wald am Oberrhein wandelt sein Gesicht

Dies ist ein sehr kleines Projekt, es umfasst nur etwa 2,5 ha, und eine relativ geringe Kiesmenge von deutlich weniger als 1 Mio Tonnen konnte nur entnommen werden. Da lag in der Gemarkung Otterstadt, etwa 6 km nördlich von Speyer, ein Mischwald, der 40 Jahre alt war und hälftig aus Esche und Ahorn bestand. In Altrheinnähe waren auch Weiden durch Samenflug entstanden. Dort sollte ausgekiest und das Gebiet für den Naturschutz neu hergerichtet werden.

Zunächst wurde der Wald eingeschlagen, die Stämme auf LKW verladen, das Bruchholz, die Äste und Stubben auf dem Wasserwege zu anderen Rekultivierungsprojekten verbracht, der Oberboden abgeschoben und in einem Wall angehäuft. Gleiches geschah mit dem Abraum. So wurde gleichzeitig erreicht, dass die Abgrabung von der vorbeiführenden Straße abgeschirmt blieb.

Nach der Auskiesung begann die Wiederverfüllung auf dem Wasserwege durch Verklappung. Dafür stand nicht nur der eigene Abraum zur Verfügung, nein, aus anderen Auskiesungen der Firma transportierte man auch auf dem Wasserwege Verfüllmassen heran. Dann wurde mit der Gestaltung angefangen, wobei auf ganz flache Ufer großer Wert gelegt wurde. Ein Schwimmbagger erledigte die Restarbeiten, bevor man den humosen Oberboden ("Mutterboden") wieder aufbrachte. Die Uferlinie geriet so außerordentlich abwechslungsreich.

Nun begann die Aufforstung. Ab Mittelwasser wurde eine Hartholzaue angepflanzt, während von Niedrigwasser bis an die Hartholzaue die Weichholzaue durch Samenflug entstand. Die Pflanzungen erwiesen sich als außerordentlich wüchsig. Innerhalb von neun Jahren haben sich die neuen Waldbestände ganz zwanglos in die umgebenden Forsten eingefügt.

Die Kreisverwaltung Ludwigshafen als Genehmigungsbehörde hat das Pilotprojekt "Halbmond" während der kompletten Ab- und Wiederaufbauphase begleitet. Ihre Vorstellungen sind voll realisiert. Nicht zuletzt zeigen das auch die Untersuchungen zur Botanik der rekultivierten Flächen, wobei die Hartholzaue mit Bergahorn, Esche, Hartriegel, Haselnuss, Kratzbeere, Stieleiche, Ulmen und Weißdorn typische Gehölzarten des Eschen-Ulmen-Auwaldes enthält. Außerdem wurden in dem neu entstandenen Auwald noch Hainbuche, Pyramidenpappeln, Waldrebe und wilde Weinrebe gefunden. Die Bepflanzung erfolgte mit 5.125 Stück pro ha recht locker. Wie sich jedoch in den ersten Jahren herausstellte, hat die Natur zwangsweise dahingehend eine Auslese getroffen, dass nur ca. 2/3 der Pflanzen auf dem engen Standort durchgekommen sind. Die Bepflanzung war - wie immer zu dicht angesetzt.

Die Weichholzaue ist durch einen dichten Bestand mit Silberweide und Silberpappel als Silber-Weiden-Auwald gekennzeichnet, der ausschließlich durch Samenflug entstand.

Der gut beschattete Boden ist zu fast 100 % mit Bodendeckern bewachsen, unter denen Hahnenfuß, Pfennigkraut, Sumpf-Labkraut und Veilchen vorherrschen. Dazwischen finden sich Acker-Minze, Blut-Weiderich, Gemeiner Gilbweiderich, Gemeiner Wolfstrapp, Rohr-Glanzgras, Schilfrohr, Seggen, Sumpf-Schwertlilie, Wasser-Minze und Wiesen-Alant.

Zwischen den beiden Au-Wald-Typen finden sich auf kleinen, nicht aufgeforsteten Bereichen dichte Bestände von Goldrute. Neben der beherrschenden Goldrute findet sich hier eine Vielzahl von krautigen Pflanzen, von denen einige auch typisch für die Hartholzaue sind.

Zusammenfassend ergibt sich, dass sich im Gebiet "Halbmond" bei Otterstadt ein interessanter Bereich im Aufbau befindet, der zahlreichen Pflanzenarten einen Lebensraum bietet, die sich in den dominierenden Hartholzauen der Umgebung nicht so entwickeln können. Auch in Bezug auf die im Wasser lebenden Kleinkrebse der Gattung Cyclops sp. (Wasserfloh) eröffnet diese rekultivierte Kiesgrube interessante Perspektiven. In Zukunft sollen, wie im Jahre 1993 zur Genehmigung eingereichte Planunterlagen zeigen, noch zusätzliche Flachwasserzonen geschaffen werden.

Das Auskiesungsgelände "Halbmond" befindet sich im Otterstadter Altrhein, welcher bei Rhein/km 410 mit dem Rhein in Verbindung steht. Insofern ist das Gelände den Wasserstandsschwankungen des Rheins voll unterworfen. Da die Auffüllung im Mittel ca. 12 bis 15 m betrug und ausschließlich auf dem Verklappungswege entstand, ist der Eingriff in die Natur heute nach rund 15 Jahren nicht mehr erkennbar.

Die Abbildungen zeigen einen der ganz wenigen Fälle, wo die abbauende Firma es nicht versäumt hat, die Entwicklung der Kiesgrube vom Beginn des Abbaus über die Rekultivierung bis heute durch Aufnahmen zu dokumentieren.

 

Der Langener Waldsee

- Ziel vieler Badegäste im Raum Frankfurt/M.

Nur 2 km südöstlich des Frankfurter Flughafens, direkt an der B 44, liegt der Langener Waldsee, ein Gebiet, in dem seit 1927 Sand und Kies abgebaut wird. Inzwischen hat das Abbaugelände dort etwa 300 ha erreicht: Rekultivierung und Abbau sind also im selben Gebiet anzutreffen. Das Nordufer des Sees steht inzwischen fast ganz der Erholungsnutzung zur Verfügung: Baden, Segeln, Surfen. Die Verantwortung für den Badebetrieb ist der Stadt Langen übertragen worden, ansonsten ist die Firma noch dafür verantwortlich.

Da an Wochenenden im Sommer leicht 20.000 Badegäste das Gebiet bevölkern, ist bei der Herrichtung der Böschungen große Sorgfalt notwendig. Nicht nur, um die etwa 14 m hohen Böschungen über dem Wasserspiegel, sondern vor allem, um die 10 m unter dem Wasserspiegel so herzurichten, dass Böschungsbrüche mit Sicherheit auszuschließen sind. Das ist nicht allein mit eigenem Abraummaterial zu bewältigen. Wenn auch vor allem das lehmige Material aus der ersten Absiebung gut für den Böschungsbau geeignet ist, so reichen die anfallenden Mengen nicht: Aus diesem Grunde nimmt die Firma auch Fremdboden zur Modellierung des Geländes an. Und das, obwohl die Grube in einem Trinkwasser-Schutzgebiet liegt. Dies geht nur mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen. Deshalb muss jede geplante Bodenanlieferung der Firma vorher gemeldet werden, die dann ihre Analyse-Abteilung zur Baustelle schickt. Die beurteilt die Baustelle, entnimmt Proben und schickt diese zur chemischen Untersuchung. Erst wenn deren Ergebnisse vorliegen und sie in Ordnung sind, darf angeliefert werden. Für je 500 cbm Verfüllung ist eine Analyse erforderlich. Kein Wunder also, dass bei dem Aufwand jede Probe mit etwa 1.000 DM zu veranschlagen ist.

Doch nicht nur Böschungen werden modelliert. Vor allem im südlichen Bereich werden in großem Umfange auch Flachwasser-Bereiche geschaffen. Man hat also eine deutliche Trennung: Nordufer für intensive Erholungsnutzung, Südufer für naturnahe Gestaltung und extensive Erholung. So verwundert es nicht, dass man im südlichen Bereich auch abgetrennte kleine, ruhige Gewässer findet, in denen teilweise Zehntausende von Kaulquappen belegen, dass die Gewässer zum Laichen angenommen werden. Dort gibt es auch ausgedehnte Rohbodenflächen, so dass der Waldsee inzwischen Heimat des Flussregenpfeifers ist.

Der gesamte See wird auch von Angelvereinen bewirtschaftet, die seit Jahren ihrem Hobby mit Freude und Engagement nachgehen.

Im Süd- und Westbereich sind umfangreiche Aufforstungen vorgenommen worden, die teilweise außerordentlich wüchsig sind. In den Aufforstungen wurden 10 bis 15 Baum und Straucharten verwendet. Obwohl mit recht großen Exemplaren (80/120 cm) gearbeitet wurde, hielten sich die Ausfälle in engen Grenzen.

Der Waldsee ist ein sehr bemerkenswertes Beispiel für Rekultivierungen, vor allem wegen der streng kontrollierten Verwendung von fremden Bodenmassen. Dadurch können die Böschungen auch ungewöhnlich flach angelegt werden.