Fachabteilung Kies und Sand
Hessen-Rheinland-Pfalz
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Industrieverband Steine und Erden e. V.

Geschichte der Gewinnung von Sand & Kies

Früher war die Gewinnung von Kies und Sand mühsame Handarbeit. Denn Kies und Sand mussten zunächst per Hand, später per Eisenschaufel und -spaten, und schließlich mittels sogenannter Sandschürfen und Kieskratzen dem Boden entnommen worden. Eine Kieskratze war eine an einer langen Stange befestigte "Schaufel besonderer Art". Das Ende der Stange wurde über die Schulter gelegt und wie ein Rechen anfangs vom trockenen Ufer aus, später von Flößen und Booten aus, durch das Kiesbett eines Flusses gezogen. Durch das Entlangschürfen auf der Flusssohle füllte sich die Schaufel mit Kies. Sie wurde dann hochgehoben und ggf. in den Kahn entleert. Ein gut eingearbeitetes Team konnte es so mit viel Mühe zu einer Tagesleistung von etwa 50 t bringen.

Kies und Sand sind auf diese Weise zum Teil noch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts per Hand gewonnen worden.

Die im Laufe der Zeit fortschreitende Entwicklung der Maschinen- und Baggertechnik sorgte für wesentliche Erleichterungen, so dass Kiese und Sande inzwischen seit fast 200 Jahren industriell gewonnen werden können. Hervorzuheben ist dabei - da wegweisend und weit der damaligen Zeit voraus - eine Konstruktion des Mailänder Universalgenies Leonardo da Vinci (1452 bis 1519). Dieser konstruierte zum Zwecke der Entschlammung von Häfen schon zu damaliger Zeit einen Schwimmbagger. Schon bald erkannte man, dass sich Schwimmbagger nicht nur eigneten, Häfen zu entschlämmen, sondern auch dazu geeignet sind, Flussbetten zu verbreitern, Fahrrinnen zu vertiefen und Kanäle zu bauen. In Deutschland nutzte man derartige handbetriebene Baggergeräte z. B. zu Zeiten Friedrichs des Großen zur Regulierung des Rheinstroms.

Ab Erfindung und Einsatz der Dampfmaschine ließ sich der sehr mühsame Handbetrieb von Schwimmbaggern durch Dampfkraft ersetzen. In Deutschland wurde 1841 bei Schlichau in Elbing (Ostpreußen) der erste Dampfbagger gebaut.

Später traten neben die Dampfmaschine Diesel- und Elektromotore, die weitere Leistungssteigerungen bei der Gewinnung von Kies und Sand zur Folge hatten. Heute sind Baggergeräte im Einsatz, die mehrere 100 t Kies und Sand pro Stunde fördern können.

Die bisher größte Schwimmgreiferanlage der Welt wurde von der Fa. Rohr & PS GmbH, Otterstadt, für den Einsatz in Amerika gebaut und Ende 2000 in Betrieb genommen. Diese Doppel-Schwimmgreiferanlage, die ein Gesamtgewicht von 810 t auf die Waage bringt, ist auf die Gewinnung von stündlich 2.000 t Kies und Sand ausgelegt. Dies wird durch zwei Unterwasser-Motorgreifer erreicht, die jeweils 15 m3 Inhalt fassen. Solche Anlagen verfügen über einen äußerst hohen Automatisierungsgrad mit visualisierter Anlagensteuerung, um einen möglichst reibungslosen Abbaubetrieb zu gewährleisten.