...bei der Kies- und Sandgewinnung.

Bei den Bürgern stehen in der Regel weniger die Gewinnung und Aufbereitung sondern vielmehr die optimale Gestaltung der Abbaufläche während und vor allem nach dem Abbau im Mittelpunkt des Interesses.

Die Gestaltung eines Abbaus und die Wiederherrichtung nach dem Abbau hängt entscheidend davon ab, welche Folgenutzung für die Zeit nach dem Abbau vorgesehen wird. Als Folgenutzung einer Kies- und Sandabgrabung kommen z. B. in Betracht:

• Naturschutz und Landschaftspflege
• Freizeit und Erholung
• Fischerei
• Land- und Forstwirtschaft (bei Trockenabbau oder nach Wiederverfüllung)
• bauliche Nutzung (bei Trockenabbau oder nach Wiederverfüllung)

So entstehen durch den Nassabbau von Kies und Sand neue Gewässer oder werden alte Gewässer, wie ehemalige Altarme von Flüssen, wiederbelebt. Obwohl als Sekundärbiotop entstanden, können diese wichtige ökologische Funktionen übernehmen, die früher von natürlichen Wasserflächen übernommen wurden. Abbauflächen von Kies und Sand eignen sich in besonderer Weise zur Entwicklung wertvoller Lebensräume. Dies setzt selbstverständlich voraus, dass eine entsprechende Gewässerstruktur gezielt hergestellt wird, um ausgehend von der gegebenen Ausprägung des Umfeldes die biologische Vielfalt der Region zu sichern und zu vermehren, die umgebenden Lebensräume zu stabilisieren und dem Artenrückgang entgegenzuwirken, neue Lebensräume für Pflanzen und Tiere zu schaffen und letztendlich zu einem funktionierenden Biotopverbundsystem beizutragen.

Soweit abbautechnisch möglich und wirtschaftlich verhältnismäßig, besteht vielfach die Möglichkeit, vielfältige und naturraumtypische Standortverhältnisse bereits während des Abbaus zu erreichen. Hierzu gehören z. B. die Anlage von Steilwänden, die Schaffung von Flachwasserzonen, welche die Funktionen von natürlichen Flachseen und Altarmen übernehmen können und die Freihaltung von Kiesbänken zur Schaffung nährstoffarmer Teilgebiete.

Abbauflächen bieten auch ausgezeichnete Standortmöglichkeiten für eine natürliche Sukzession, z. B. mit Ausbildung einer vielgestaltigen Uferzonierung mit Wasserpflanzen-, Schwimmblatt- und Röhrichtgürteln. Die natürliche Sukzession ist ein sehr langwieriger Prozess, der durch die Spontanbesiedlung der Fläche mit häufig sehr seltenen Arten geprägt ist. Dies kann durch vorbereitende Maßnahmen, wie z. B. Geländemodulationen und Abschirmpflanzungen und sonstige Pflegemaßnahmen gezielt gesteuert werden. Sukzessionsräume stellen so während ihrer Entwicklung wichtige Naturräume mit unterschiedlichsten Funktionsausprägungen dar. Die endgültigen naturräumlichen Funktionen sind häufig erst nach Jahrzehnten vollständig ausgebildet. Während dieser Zeit bilden die sich langsam entwickelnden Flächen mit Flora- und Faunaarten, die diesen speziellen Entwicklungs- und Aufwuchsbedingungen bedürfen, wertvolle naturräumliche Bereiche. Hierzu gehören z. B. die breiten Schilfsäume, die häufig an Baggerseen anzutreffen sind. Sie sind nicht nur Lieblingsort für Libellen, sondern dienen auch der Wasserreinhaltung.

Baggerseen und ihre Ufer, die in den letzten Jahren aus ökologischen Gründen zunehmend reich strukturiert wurden, nehmen heute wichtige Ersatzfunktionen im Naturhaushalt wahr. So waren früher z. B. Prallhänge von Bächen und Flüssen die angestammten Brutgebiete der Uferschwalben. Durch Wasserbaumaßnahmen der Vergangenheit sind derartige natürliche Prallhänge weitestgehend aus der Landschaft verschwunden. Deshalb werden heute von den Uferschwalben insbesondere die Steilwände der Sand- und Kiesgruben zum Anlegen von Brutröhren genutzt. Häufig können im Zuge von Baggerungen auch gewünschte Sekundäreffekte zum Erhalt oder zur Wiederherstellung natürlicher Gegebenheiten erzielt werden. Hierzu zählt z. B. die Reaktivierung von Wasserflächen in alten Flussschleifen durch die mit der Kies- und Sandgewinnung einhergehende Entschlammung von Altwässern, wenn deren Verlandung nicht gewünscht ist. Durch die gezielte Wiedereinbringung des dabei anfallenden Schlamms können an anderer Stelle gewünschte Flachwasserbereiche geschaffen werden oder ganze Inseln neu entstehen.

Diese beispielhaft aufgeführten Aspekte zeigen, dass an die Renaturierung eines Baggersees und seiner Uferbereiche hohe Anforderungen gestellt werden. Für den Abbauunternehmer bestehen hierbei vielfältige Möglichkeiten, unterschiedliche Einzelmaßnahmen vorzunehmen. Die Erfolge der Renaturierung hängen allerdings entscheidend davon ab, wie diese Einzelmaßnahmen zusammenwirken. Dabei ist es von Abbau zu Abbau unterschiedlich, was machbar ist und was nicht. So bedingen aufwendige Gestaltungsmaßnahmen, wie z. B. die Herstellung von Flachwasserbereichen, geschwungene Uferlinien, Halbinseln und Inseln, dass hierfür große Bodenaushub- oder Abraummengen zur Verfügung stehen müssen, die auch aus wasserwirtschaftlicher Sicht geeignet sind, als Verfüllmaterial eingesetzt zu werden. Auch der beim "Waschen" von Kies anfallende Waschschlamm aus tonig-lehmigen Feinstteilen kann für Auflandungen angespült werden. Diese Flächen können dann selten gewordene Extremstandorte für Binsen, Röhrichte und im späteren Stadium Weidengebüsche bilden. Entsprechende Bereiche aus "gewachsenen Bodenstrukturen" zu erhalten, steht die Notwendigkeit entgegen, die in Abbau befindliche Lagerstätte möglichst vollständig zu nutzen, um nicht unnötige Abbauflächen an anderer Stelle in Anspruch nehmen zu müssen. Die Anlage von Flachwasserzonen oder Inseln aus natürlich anstehendem Material bedeutet in der Regel erhebliche Rohstoffverluste.

Neben all diesen Gesichtspunkten spielt selbstverständlich die wirtschaftliche Verhältnismäßigkeit und die technische Machbarkeit eine entscheidende Rolle, denn Zweck des Abbaus bleibt die Gewinnung von Kies und Sand, wodurch sich die durchzuführenden Renaturierungsmaßnahmen zwangsläufig an dem Abbau auszurichten haben. Beide Zielsetzungen lassen sich sinnvoll miteinander verbinden, wenn die geplanten Renaturierungsmaßnahmen bereits beim Abbau berücksichtigt werden.

Baggerseen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien und Nutzungsphasen sind heute Teil der sich ständig verändernden ökologischen Vielfalt in den Abbaugebieten von Kies und Sand. Nicht selten haben sie sich als neue landschaftsprägende Elemente entwickelt, die heute kaum mehr wegzudenken sind und aufgrund ihrer Strukturvielfalt für Mensch und Tier von hohem Interesse sind. Auf dieser Grundlage ist auch in Zukunft für die derzeit in Abbau befindlichen und zukünftig abzubauenden Flächen von einer erfolgreichen Eingliederung in die Landschaft auszugehen.