Fachabteilung Kies und Sand
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Industrieverband Steine und Erden e. V.

Archäologische Funde

Vor etwa 5 Milliarden Jahren bildete sich unser Planetensystem und mit ihm die Erde. Vor etwa 3,5 Milliarden Jahren entstanden auf der Erde die ersten primitiven Lebewesen. Vor etwa 1 Million Jahren begann die Entwicklungsgeschichte der Menschen.

Die Erforschung der Urzeit und der Entwicklung des Menschen, hat in den letzten Jahren viele neue Erkenntnisse gebracht. Einzelne Phasen der Entwicklung wurden sichtbar und Wissenslücken geschlossen. Einen großen Teil dieser Erkenntnisse verdanken die Archäologen der Tatsache, dass immer wieder großartige archäologische Funde per Zufall ans Tageslicht kommen. Zum Beispiel beim Abbau mineralischer Rohstoffe wie Kies und Sand.

Vier dieser Funde haben wir unsere besondere Beachtung geschenkt.

Schatz aus dem Rhein

"Ein Schatz aus dem Rhein", so stand es in den Schlagzeilen als zwischen 1980 und 1983 ein großer Kiesbaggerfund am Altrheinarm in Neupotz (Landkreis Germersheim) aus den Fluten geborgen wurde. Stolz präsentierten die Kieswerksbesitzer Ludwig und Willi Kuhn den riesigen Fund mit einem Gewicht von 707,1 Kilogramm, der in der römischen wie alemannischen Archäologie einmalig ist.

Die 1008 Objekte - Münzen, Waffen, Kultstücke, Reste von Booten und Pferdegespannen, Tafelgeschirr, Küchengeschirr- und Küchengeräteteile sowie Werkzeuge überwiegend aus dem 2. und 3. Jahrhundert - stammen aus einer Plünderungsaktion von Alemannen in den römischen Provinzen in Gallien. In den Jahren 275-278 n. Chr. fand dieser Germanenstamm die Vielzahl der Stücke vermutlich in einem großen römischen Landgut und einem römischen Heiligtum zwischen Paris und Trier (Nordostgallien). Beim Übersetzen über den Rhein ging der umfangreiche Transport damals verloren.

Ausgestellt ist der "Schatz von Neupotz" heute im "Terra-Sigillata-Museum" in Rheinzabern. Schon mehrmals hat der "alte" Rhein wertvolle Archäologie wieder freigegeben. So auch zum Beispiel in Mechtersheim und Otterstadt, in der Nähe von Speyer.

Dem Mammut auf der Spur

Immer wieder werden bei Gewinnung von Kies und Sand Funde längst ausgestorbener Tiere vergangener Zeiten gemacht. Für die Entdeckung eines großen Knochens von einem Mammut oder von einem Riesenhirsch braucht es schon viel Glück. Die Chance, entsprechende Überreste bergen zu können, hängt vom Alter und von der Art der Kies- und Sandablagerungen und somit vom Ort und von der Tiefe ab, in der gebaggert wird. Nicht zuletzt spielt der Zufall eine große Rolle, um bei den Baggerungen zu bemerken, dass sich etwas Ungewöhnliches im Greifer des Baggers befindet und aus der Tiefe gehoben wird.

Häufig sind es nur Wirbel, Zähne oder Rippen von kleineren Säugern wie Bibern oder Rehen, die zum Vorschein kommen. Manchmal sind es auch fossile Baumreste, die lange Zeiten in den Flussablagerungen überstanden haben und durch die Baggerarbeiten wieder ans Tageslicht befördert werden. Dabei kann es sich zum Beispiel um Mooreichen aus der Eiszeit handeln. Des öfteren findet man auch gut erhaltene Überreste von Großtieren, zum Beispiel das Geweih eines Riesenhirschs oder einen riesigen Mammutzahn

Einen solchen außergewöhnlichen Fund machte das Unternehmen Rohr im Sommer 2000 in der Erlache bei Bensheim, als ein riesiger Knochen fast unversehrt im Maschengitter des Kiesbaggers sichtbar wurde. Wie sich mittlerweile herausgestellt hat, handelt es sich um den Beckenknochen eines weiblichen Wollhaarmammuts. Gelebt hat das Tier vor ca. 30.000 Jahren. Der Fund wurde vom Unternehmen Rohr dem Magistrat der Stadt Bensheim überreicht, in deren Obhut sich der Knochen seitdem befindet.

Der Waldelefant von Crumstadt

Die pleistozänen Sande und Schotter in der Oberrheinebene bergen eine reiche Fundstätte für Großsäugetiere aus dem Eiszeitalter. Schon in früherer Zeit wurden z.B. bei Brunnenbauten oder Hochwässern Knochen ausgespült oder gefunden und haben zu vielerlei Deutungsversuchen angeregt. So wurde Anfang des 17. Jahrhunderts in einem Oppenheimer Gasthof das Femur eines Mammuts als das eines Riesen gezeigt. Erst Ende des 18. Jahrhunderts erkannte man, dass diese Knochen nicht von sagenhaften Geschöpfen stammen, sondern von Nashörnern, Elefanten und dergleichen.

Heute sind es vor allem große Tiefbaumaßnahmen und der Abbau von Kies und Sand, die immer wieder bedeutende Funde zu Tage fördern.

Beispielsweise wurden im August 1984 bei den Gewinnungsarbeiten in einer Kiesgrube bei Crumstadt westlich von Darmstadt die Überreste eines großen Tieres entdeckt. Beim ersten Fund handelte es sich um einen großen Unterkiefer. Weitere Teile eines Skelettes wurden später geborgen.

Wegen der Größe des Unterkiefers hätte man die Reste eines jungen Mammuts vermuten können. Anhand der Zähne konnte jedoch festgestellt werden, dass es sich um das Skelett eines Jungtieres eines seltenen interglazialen Waldelefanten und nicht um die Überreste eines Mammuts handelte.

Zu besichtigen ist der Fund im "Hessischen Landesmuseum Darmstadt"
 
Der Unterkiefer des Homo Heidelbergensis.
Ca. 500.000 Jahre alt.

Am 21. Oktober 1907 fand ein Arbeiter einer Sandgrube in Mauer bei Heidelberg ein mit Sand und Geröll verkrustetes und in zwei Hälften zerbrochenes Knochenstück. Der Unterkiefer war gut und vollständig erhalten und konnte wieder zusammengefügt werden.

Das geologische Alter des Homo Heidelbergensis liegt ca. zwischen 600.000 und 470.000 Jahren. Der Unterkiefer dürfte zu einem ca. 1,40-1,60 m großen und ca. 20-30 Jahre alten Menschen gehört haben. Über das Geschlecht, eventuelle Krankheiten oder die Todesursache konnte der gefundene Unterkiefer keine Auskunft geben.

Mit diesem urmenschlichen Fossil konnte nun auch Europa einen klassischen paläanthropologischen Fund aufweisen, der das Verständnis über unsere Herkunft revolutionierte.

Später wurden an verschiedenen Orten Europas noch weitere menschliche Fossilien aus jener Zeit entdeckt, so dass zunehmend mehr über das Leben des Homo Heidelbergensis zu jener Zeit gesagt werden kann.